Ich glaube noch an die Liebe

Bochum. "Ich bin ein junger Dichter und glaube noch an die Liebe." Mit dieser Einstellung steht Herbert Hindringer nicht alleine da. Romantische Gefühle, augenzwinkernder Humor und die Lust am ungehemmten Spiel mit Worten und Sätzen durchzogen die Werke der drei Poeten Ron Winkler, Herbert Hindringer und Björn Kuhligk, die am Mittwochabend auf dem "Macondo"-Literaturfestivals einige ihrer Werke vortrugen.

Zum zweiten Mal war ein Abend des Festivals ganz der Lyrik gewidmet. Der erste "Club der jungen Dichter" fand im Auftaktjahr des Festivals, 2000, statt. Anlass, ihn wiederaufleben zu lassen, war die Verleihung des Leonce-und-Lena-Preises, eines der wichtigsten Lyrikerpreise überhaupt, an Ron Winkler.

Der 32-jährige Berliner bestritt auch die Eröffnung der Lesung im Theater unter Tage im Schauspielhaus. Ob im "Konzentrat aus drei Jahren Frankreich", in der Liebeserklärung "Giseh, mon amour" oder den Zeilen "Halb Insel": Winklers Verse vermittelten flüchtige Eindrücke einer Umgebung zwischen Natur, Technik und Popkultur. "Anschauung to go".

"Dylan-Songs leicht gemacht, Lektion 1" hieß es dann unter anderem bei Herbert Hindringer. Humorvolle Schlaglicher auf unsere Gesellschaft wechselten mit romantisch-optimistischen Analysen zwischenmenschlicher Beziehungen. Hemmungslos und erfrischend offen ließ der 31-jährige Passauer den Leser/Zuhörer die "Episode Christina" miterleben oder erklärte ihm den "Sauerstoff-Import und -Export".

Den Alltag zu etwas Besonderem machen, darin besteht das Talent von Björn Kuhligk. Der 30-jährige Berliner tauchte in seine Charaktere ein, eröffnete liebevoll deren Macken, schwelgte in ihren Sehnsüchten und Hoffnungen. "Sie macht am liebsten Pasta" stellte er fest, um kurz darauf "Die Liebe in Zeiten der EU" unter die Lupe zu nehmen. Doch handelt es sich bei Kuhligks Protagonisten nicht immer um Menschen. "Einmal im Leben musste ich Helgoland sehen", berichtete er, um anschließend Heines "Harzreise" noch einmal Revue passieren zu lassen. Nur eine Hommage unter vielen. So bot sich dem Publikum ein vielseitiger und unterhaltsamer Lyrikabend, der mit reichlich Applaus belohnt wurde.

(Ruhr Nachrichten)

 

 

 

 

© herbert hindringer, 2005 kostenlose Statistik

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